Freitag, 11. September 2015

Von Unterschieden und Vergleichen.





Vor einigen Wochen las ich von einer norwegische Studie zum Thema "so unterschiedlich sind Jungs und Mädchen mit drei Jahren". Und auch wenn das Ergebnis, das Mädchen weiter als Jungs sind innerlich bestätigen kann, mag ich diese Art von Vergleichen nicht. 



Ich muss ehrlich gestehen, dass ich anfangs, trotz der inneren Sicherheit, dass Sophie sich hervorragend entwickelt, vor jeder U-Untersuchung ein wenig mit der Angst kämpfte. Ist alles in Ordnung mit ihr? Kann sie bereits alles, was sie sollte? Was, wenn der Arzt die ein oder andere Auffälligkeit bemerkt? Am meisten machte ich mir wegen ihres Gewichtes Sorgen. 10 Kilo sind für ihr Alter immer noch das untere Ende der Skala, und das bei einer überdurchschnittlichen Größe, aber da sie schon immer so war, haben wir dies alle mittlerweile akzeptiert. Wie soll ein Wirbelwind auch Speck ansetzen?! 


Doch was mich an diesen Vergleichen nervt, ist, dass zwar die individuelle Entwicklung jedes Kindes betrachtet wird, aber auf dem Papier sieht alles trotzdem merkwürdig aus. Zwei befreundete Mütter von mir haben Kinder, welche erst mit 2,5 anfingen zu sprechen, dafür schon weit hüpfen konnten, was keine Anforderung im Untersuchungsheft ist. Doch als das eine Kind dann anfing zu sprechen, waren es nicht Ein-Wort oder Zwei-Wörter-Sätze. Nein, es waren vollständig und grammatikalisch einwandfreie Sätze. Und trotzdem steht auf dem Papier, dass es in dem Alter hintendran war. 


Ich finde es zwar absolut korrekt, dass man Kinder untersucht um eventuellen "Fehlentwicklungen" schnellstmöglich entgegenzuwirken. Aber schnellstmöglich bei einer Untersuchung pro Jahr ist auch irgendwie Schwachsinn. Und meist merken aufmerksame Eltern doch selbst, wenn etwas nicht stimmt. Intuition nennt man das. 


Dass Kinder in einem solch frühen Alter verglichen werden, passt natürlich perfekt in unsere Leistungsgesellschaft, welche ich mittlerweile als zu konsequent umgesetzt empfinde. Denn ist es nicht egal, ob ein Kind mit zwei oder drei sich für das Töpfchengehen interessiert, oder ob es perfekt mit Messer und Gabel essen kann (in anderen Ländern essen sie immer mit den Fingern, oder mit Stäbchen). Ob es nun ruhig oder laut ist und vielleicht eher introvertiert oder besser sozial integriert. Kann man Kindern nicht wieder Zeit für sich geben und für ihre Entwicklung? Muss man sie immer in eine Richtung drängen, sodass sie sich perfekt in gewünschte Normen und Werte eingliedern? Ihnen Freude beim langsamen oder schnellen Selbstentdecken lassen? Ich bin der Meinung, dass auch vermeintlich "langsamere" Kinder (hier: Jungs) die Welt auf ihre Art kennenlernen. Und vielleicht sind sie irgendwo ja auch schneller als die Mädchen. Nur hat man eben genau an diesem Punkt nicht geforscht?! 


In die gleiche Kategorie passt meiner Meinung nach einer der Top-Baby-Ratgeber "Ohje, ich wachse". Auch ich habe es mir auf Empfehlungen hin gekauft. Bereut habe ich es erst nach dem fünften Schub. Als mein Kind noch nicht an Geländern lang laufen konnte und auch keine ersten Worte wie Mama und Papa sagte. Und das, obwohl sie mit fünf Monaten krabbelte und mit 10 die ersten Schritte wagte. Mit 18 Monaten anfing zu blabbern und mit 21 schon Lieder mitsang (in Babysprache). Nicht perfekt, aber eben doch recht weit für ihr Alter. Und dieses Buch schaffte es mir den Glauben an mich als Mutter und an die positive Entwicklung meiner Tochter zu rauben. Obwohl ich dankbar war, zu wissen, dass sie eventuell nur in einem Schub steckt und deswegen alles wieder einmal auf dem Kopf steht. Dass es normal ist, dass sie mir dann eben Tage bis Wochen auf den Keks geht. Ganz so schlimm war das Buch doch nicht, aber ich war fröhlich, dass ich es dann in eine Bücherei-Telefonzelle stecken konnte. Vielleicht hilft es jemand anderem besser als mir. 


Was ich dagegen von Herzen weiterempfehlen kann ist der Film "Babys". Dieser zeigt die gleichen Entwicklungen von Kindern weltweit und unter vollständig unterschiedlichen Gegebenheiten auf. Dass die Kinder alle laufen und sprechen lernen, aber alle auf ihre Art und Weise und zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Und dass die Erziehung sich unterscheidet und sich trotzdem aus allen Babys wunderbare individuelle Kinder entwickelt haben. Trotz diverser Unterschiede sind wir uns vielleicht doch alle ähnlicher als wir denken, auf individuelle Art und Weise*. 

Herzlichst, eure Ephrata 


Schnittmuster: Ballonkleidchen Marie von FeeFeeFabrics in Größe 98 / 104
Stoffe: Oakley Owl, Oakley Owl Kombi und Flowers 'n' dots Kombi von Lillestoff
(Schmuck zieht sich die Kleine selbst an, die Leggings ist nicht selbst genäht)

Quelle: "Kindergarten-Studie: So weit sind Mädchen Jungen voraus" auf Spiegel.Online, veröffentlicht am 17.08.2015

Das Kleid lag hier schon eine ganze Weile herum. Jetzt endlich habe ich es fertiggestellt. Irgendwie wollte ich mich vor dem Ballonrock drücken. Da und dort raffen und hier und da. Als Anfängerin hatte ich etwas Panik davor. Nun, da der Kopf frei ist und der Herbst naht und das Kind sich auch mit großen Schritten der Kleidergröße 98 nähert, galt es als Muss dieses Kleid zu vollenden. Farblich und vom Muster her gefällt es mir super. Und auch den Schnitt mag ich sehr. Eigentlich war es dann doch nicht so schlimm, bis auf den Stoffverbrauch, welchen man nicht unterschätzen sollte. Deshalb bleibt es wohl bei einem solchen Kleid pro Größe. 
Diese Woche konnte ich noch kein Outfit, welches ich genäht habe, posten. Dabei habe ich schon seit Dienstag Zeit. Irgendwie hat sich hier so viel angesammelt, dann gingen ständig Dinge kaputt und Reparaturen waren angesagt. Ich habe hier noch einiges auf Lager, aber ich glaube ich bekomme gar nicht alles auf die Reihe - was soll's. Weil ich trotzdem noch diese Woche zurück bin ist heute Freutag. Und mit dem Rest geht es zu Meitlisache, Kiddikram und IchnähBio.

*(Den letzten Satz darf man gerne auch auf alle anderen Bereiche des Lebens anwenden. Zum Beispiel auf Flüchtlinge. Wir sind alle eins: Menschen!)

Kommentare:

  1. Danke für den Film-Tipp :)
    Das Outfit auf den Bildern ist super süß!

    Lieben Gruß
    Sarah

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    1. Hallo Sarah,

      Gerne doch und Dankeschön! Aber Achtung es spiegelt nur meine persönliche Meinung wider. Kann also sein, dass du anders denkst.

      Liebe Grüße! Ephi

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  2. Dieses Buch, oje ich wachse, haben wir auch geschenkt bekommen. Aber es ging mir wie dir, am Anfang habe ich noch gelesen und ab dem fünften Schub dann nicht mehr, da hab ich nur noch geschaut ob gerade ein Schub ist...
    Jetzt mit zwei Kindern bekommt man den Schub auch so mit ;-) und verliehen hab ich das Buch außerdem... Hoffentlich kann meine Freundin mehr mit dem Buch anfangen. :-)

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    1. Hach, da freue ich mich aber, dass es nicht nur mir so geht ;-). Manchmal denkt man ja, bin ich die Einzige, die so denkt.

      Das mit dem zweiten Kind kann ich mir gut vorstellen. Da ist immer was los ;-)

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